Hund und Pferd – Begegnungen

Wenn Reiter und Hund sich im Wald begegnen ... in diesem Fall gehören Hund und Reiter zusammen
Wenn Reiter und Hund sich im Wald begegnen … in diesem Fall gehören Hund und Reiter zusammen

Ich mag Hunde. Hunde sind tolle Tiere, die einem viel geben können. Hunde und Pferde sind für den Menschen auch eine sinnvolle Kombination. Beide Spezies lassen sich in gewisser Weise dressieren und kommandieren. Beim Hund sind es klare Befehle, die ihm sagen sollen, was er zu tun und zu lassen hat und die unterstreichen, wer der Chef im Rudel ist. Beim Pferd ist es grundsätzlich nichts anderes, nur dass man hier eher von Hilfen und Training die Rede ist, was angesichts dessen, das Pferde Fluchttiere sind und ihre natürliche Körpersprache „ausgenutzt“ wird, auch passender ist.
Betrachtet man die Tatsache, dass Hunde Beutetiere sind und Pferde Fluchttiere, erscheint die Kombination aber weniger sinnvoll und kann durchaus zu Problemen führen, worum es in diesem Blogpost auch gehen soll, verbunden mit der Bitte, über den Tellerrand hinauszuschauen, denn die eigene Situation, dass der Hund mit dem Pferd bestens auskommt, ist in den seltensten Fällen auf andere Hunde oder Pferde übertragbar. Nicht jedes Pferd kennt oder mag Hunde und noch weniger Hunde kennen Pferde. Was zehnmal gut gegangen ist, kann beim elften Mal in die Hose gehen.

Bisher hatte ich bei allen Live-Hundebegegnungen Glück, das weder Hunden als auch fast allen Besitzern nichts passiert ist. Hier nun ein paar persönliche Erlebnisse:

Der Hütehund mit dem schiefen Gebiss

Hütehunde haben es scheinbar in ihren Genen, dass sie jegliche Herdentiere kontrollieren wollen. Sie neigen dazu, das zu behütende Tier in die Hinterläufe zu zwicken, um es voranzutreiben oder zu umkreisen, um eine Herde beisammen zuhalten. Ein tolles Schauspiel, wenn man das bei einer Schafherde sieht, bei Pferden kann das allerdings arg daneben gehen. Ich kannte bspw. einen Hütehund (Australian Shepherd?), dessen Zahnreihen krum und schief waren. Er hat versucht ein Island-Pony zu treiben wie ein Schaf, die Antwort war ein gezielter Tritt mit den Hinterhufen. Der Trieb in dem Hund war allerdings so groß, dass er nicht davon abzubringen war, weiterhin Pferde zu hüten.
Hat man ein Pferd, dass das kennt und sich damit abfindet, mag das funktionieren, immerhin beißt der Hund ja nicht zu. Fremde Pferde fackeln da aber u.U. nicht lange und schlagen zu.

Hütehund am Hallentor

Nicht ganz so extrem war ein anderer mir bekannter Hütehund. Er legte sich immer am Hallentor auf die Lauer und beobachtete die Geschehnisse. Ab und an wanderte er, wie es Hunde gern klammheimlich tun, in die Halle. Bei Nevado konnte ich beim Longieren immer beobachten, wie er (Nevado) in der Nähe des Hallentors die Ohren anlegte, die Zähne bleckte und Angriffshaltung einnahm.
Der Hund war immer mit einer knappen, aber deutlichen Ansage wieder nach draußen zu verbannen, dennoch ließ sich der Trieb nicht leugnen oder unterdrücken.

Hund in der Reitbahn

Meiner Ansicht nach ist ein Hund in der Reitbahn ein NoGo. Aber wenn einer Reitlehrerin zwei Jagdhunde (Rhodesian Ridgeback) in die Halle nimmt, ist DAS natürlich was anderes. Naja. Ich komme mit Nevado in die Reithalle und weise daraufhin, dass sie die Hunde besser draußen ablegt, zumal Nevado wie beim Hütehund am Hallentor beschrieben, ein gewisses Revierverhalten hat und u.U. einen Hund angreift. Die Reitlehrerin winkt ab, sie nehme die Hunde immer mit rein, der eine sei ja auch schon alt, die kennen das und wenn sie im Weg stehen, einfach umreiten.
Die lieben Hunde blieben natürlich nicht an einem Ort stehen, sondern pendelten immer ein bisschen Hin und Her und es kam, wie es kommen musste: Ich galoppiere auf dem Zirkel und auf einmal sitzt da ein Hund auf der Zirkellinie. Nevado legt die Ohren an und galoppiert knapp am Hund vorbei, die Reitlehrerin ruft ihn ab und legt ihn in einer Ecke ab. Warum dazu erst diese knappe Situation notwendig war, die sowohl für den Hund, als auch für Nevado und mich hätte schmerzhaft ausgehen können, ist mir auch zwei Jahre später noch unklar.

Spaziergang im Wald

Im letzten Jahr hatte ich eine Hundebegegnung der besonderen Art. Ich war mit Nevado im Wald spazieren als mir recht bald mehrere Hundebesitzer mit genauso vielen Hunden entgegen kamen. Es waren allesamt Großhunde und einer von denen mochte scheinbar keine Pferde. Er bellte direkt lautstark und aggresiv drauf los und Nevado war unvermittelt in seiner Rolle als Fluchttier. Da Nevado außerdem ein ausgeprägtes Revierverhalten hat (à la ungehobelter Leithengst), ist er nicht weggerannt, sondern hat auf Verteidigung seiner Herde (in dem fall unfreiwillig Meinereiner) umgeschaltet. Das muss man sich so vorstellen, dass das Pferd seine Hinterhand (= Waffe) auf den Angreifer ausrichtet und Drohgebärden zeigt. Der „angreifende“ Hunde (ich meine es war ein Rottweiler-Verschnitt) verstand diese Signale aber gar nicht und bellte an der Leine der Besitzerin hochsteigend munter weiter. Die Situation drohte zu eskalieren. Ich rief der Frau mehrfach zu, sie solle mit dem Hund weitergehen, was sie aber nicht konnte. Sie könne den Hund nicht mehr lange halten.

50 Kilogramm Hund festhalten ist wahrlich nicht einfach … 480 Kilogramm Pferd aber auch nicht!

Am Ende konnte ich Nevado so weit auf mich konzentrieren, dass ich ihn vom Hund wegbewegen konnte und nichts weiter passiert ist. Dennoch war der Spaziergang gelaufen und wir sind nach Hause.

Begleithund an der Schleppleine

Schon etwas länger her ist eine Begegnung beim Ausritt. Auf einem Weg, der links und rechts von Büschen und Zaun gesäumt war, kam mir einer Reiterin samt Hund entgegen. Sie ritt ohne Sattel und ohne Helm, dafür war der kleine Hund angeleint … an einer Schleppleine. Solche Schleppleinen sind meist recht dünn (5mm ?) und 5-15 Meter lang. Sie werden zu unterschiedlichen Trainingszwecken eingesetzt bspw. um einen Hund auf Distanz das Kommando „Komm!“ beizubringen. Einen Reitbegleithund damit anzuleinen ist vielleicht bequem, aber nicht im Sinne des Erfinders und es kann gefährlich werden.
Nevado war bei dieser Begegnung ziemlich entspannt, neugierig zwar, aber dennoch unbeeindruckt, von dem Trio. Der Hund fand das alles aber so spannend, dass er uns ein paar Meter folgte, was er dank der Schleppleine auch konnte. Sein Frauchen versuchte ihn schließlich wieder bei Fuß zu holen, aber der kleine Racker, war so hin und hergerissen zwischen Nevado und mir und seinem Frauchen, das er einmal um das Pferd seiner Besitzerin lief und dieses in die Schleppleine einwickelte. Das Pferd war glücklicherweise sehr entspannt, blieb stehen und wartete geduldig, dass Frauchen den Hund richtig zum Entwirren dirigierte … was natürlich nicht funktionierte. Sie stieg dann letztlich ab und brachte Ordnung ins Chaos.

Begleithund an der Wireless-Leine

Ähnlich wie der Hund an der Schleppleine begegnete mir neulich eine Reiterin (ohne Sattel, ohne Helm) mit zwei unangeleinten Hunden. Ein Hund trottet hinter der Reiterin her, der andere vorneweg. Wohl weil die Hunde so gemütlich dahertrotteten und in der Mitte ein Pferd war, interessierte Nevado das so ziemlich gar nicht. Es ist auch nichts passiert, dennoch irritieren mich solche Situationen immer, weil ich nicht weiß, wie die Hunde drauf sind, folglich wie mein Pferd darauf reagiert und im weiteren gedachten Verlauf, wie die Hunde reagieren und ggf. abrufbar sind.

So geschehen neulich: Ein anderer Hund, andere Reiter (diesmal mit Sattel und Helm) und unangeleint. Der Hund lief den Weg zum Wasser, den er kannte, und bekam erstmal gar nicht mit, dass seine Reiter anders abgebogen waren. Da ich an dem Tag schon eine andere unschöne Hundebegegnung hatte (dazu gleich mehr), bat ich die Reiter den Hund abzurufen, so dass er uns nicht zu nahe kommen konnte (quasi vorausschauendes Reiten, man muss ja nichts provozieren). Die Reiter hatten Verständnis dafür, aber leider der Hund nicht. Der konnte nämlich überhaupt nicht verstehen, dass er an dem Tag nicht ins Wasser hüpfen durfte und warum er nun zu Frauchen sollte. Selbst als Frauchen zum ihm ritt, um ihn abzuholen, schaute der Hund nachwievor verwirrt drein und reagierte keinen Zentimeter.
Ich ritt dann ein paar Meter weiter, um Nevado nicht übermäßig mit der Situation zu stressen. Der Hund durfte kurz ins Wasser und folgte dann auch seiner Frau und alles war gut.

Hund und Fahrradfahrer

Mein derzeitiges Highlight der Hundebegegnungen ereignete sich mit einem Fahrradfahrer, der seinen Hund (Größenordnung Boxer) mit einer Rollleine am Fahrrad führte. Er holte die Rollleine nach und nach ein, bis der Hund so dicht wie möglich neben ihm lief und so fuhr er an mir vorbei (vorbildlich, ich war begeistert, ehrlich). Der Hund fand uns aber scheinbar so toll, dass er Nevado spontan zum Spielen aufforderte mit dieser typischen Hundegeste, indem er den seinen Vorderkörper bis zum Boden absenkte, mit der Rute wedelte und so breitbeinig und freudestrahlend vor uns lag. Nevado hat das mitnichten als Spielaufforderung aufgefasst, er fühlte sich bedroht. Prompt drehte Nevado seine Hinterhand zum Hund, dieser verstand die Drohung sofort und sprang nach hinten … ins Fahrrad. Der Fahrrad-Fahrer stürzte und der Hund stand mit gebührenden Sicherheitsabstand im Feld. Nevado entspannte sich schnell, da ja auch die Situation aus seiner Sicht entspannt war. Der Fahrrad-Fahrer hat sich zum Glück nichts getan und der Hund scheint auch mit dem Schrecken davon gekommen zu sein.

Gegenseitige Rücksichtnahme

Nevado hat eine vermeintliche Bedrohung ausgemacht und steht unter Spannung
Nevado hat eine vermeintliche Bedrohung ausgemacht und steht unter Spannung

Letztlich haben sich in allen Situationen Pferd wie Hund absolut normal verhalten, denn abseits der Domestizierung betrachtet sind sie Feinde. Man kann den Tieren keinen Vorwurf machen, wenn sie sich ihrer Natur entsprechend verhalten. Der Mensch kann lediglich Vorkehrungen treffen, in dem er als Hundehalter seinen Hund gut trainiert und sicher führen kann, und als Pferdehalter, indem man besonnen reagiert, sein Pferd kennt und ebenso wie beim Hund, dass man sein Pferd führen kann. Dressur im Gelände ist dafür m.E. nicht zu unterschätzen. Einerseits kann man die Aufmerksamkeit des Pferdes durch Lektionen wieder auf sich und vom Feind weg lenken, andererseits kann man die Waffen des Pferdes (vornämlich) die Hinterhand steuern.
Trotz allem muss jedes Tier erst einmal lernen. Aber das Ideal, dass man wie bei einer Reitbegleithunde-Ausbildung Pferd und Hund schrittweise aneinander gewöhnt, ist nicht immer möglich. Es darf auch nie vorausgesetzt werden, dass Hund und Pferd miteinander auskommen. Man darf nicht von sich auf andere schließen („Mein Pferd kann das, wieso deines nicht“) oder von einer Situation auf die nächste („Der tut nichts, der will nur spielen“). Daher sollten sich beide immer mit einer gewissen Vorsicht (nicht zuletzt zum Eigenschutz) begegnen und Rücksicht füreinander aufbringen.

Zu guter Letzt

Alle hier genannten Beispiele sind mir tatsächlich so widerfahren. Ich habe es aber auch schon unzählige Male erlebt, das nichts passiert ist. Ich möchte auch keinesfalls alle Hundehalter über einen Kamm scheren. Unter uns Reitern gibt es leider auch genug schwarze, rücksichtslose Schafe.
Dass Pferd und Hund und insbesondere Pferdehalter und Hundehalter sich im Wald begegnen, sich beiderseits vorbildlich verhalten und nichts passiert, ist zum Glück die Regel.
Wenn aber etwas passiert, dann hilft es nichts, den anderen zu beschimpfen oder sich stundenlang zu ärgern. Vielmehr sollte man versuchen zu reflektieren:

  • Was ist eigentlich passiert?
  • Was hätte ich anders machen können?
  • Wie reagiere ich das nächste mal?

Oder mit anderen Worten: Nach vorne schauen, statt sich über die Vergangenheit aufzuregen.

Ich selbst versuche mich immer so zu benehmen, wie ich es für den Reitpass gelernt habe: Vorbeireiten im Schritt, Abstand, freundliches Grüßen, … Oftmals sind so schon interessante Gespräche im Wald entstanden. Und so macht Ausreiten für alle doch am meisten Spaß.

Frisch beschlagen mit Duplos

Nein, nicht die längste Praline der Welt, sondern ein Kunststoffbeschlag.

Lange habe ich überlegt, ob ich überhaupt Nevado beschlage. Eigentlich hat er sehr gute,feste Hufe, für einen Andalusier sogar eine sehr gute Hufstellung und -weite. Es bestand für mich also zunächst kein Grund zu beschlagen und damit den Hufmechanismus einzuschränken oder gar zu stoppen.
In letzter Zeit waren wir aber viel im Gelände. Unsere große Runde beträgt etwa 17km und führt durch Ortschaften und Wald. Die Hufe haben sich dabei erwartungsgemäß abgeraspelt und waren an den Kanten immer leicht ausgebrochen. Das ist nicht ungewöhnlich, schränkt aber irgendwann ein und bevor ich bei strahlenden Sonnenschein da stehe und mich sagen höre „Ich kann nicht mit, das Pony hat keine Hufe mehr.“ habe ich mich für Beschlag entschlossen.

Ausschlaggebend war dabei aber auch, dass ich die Duplo-Eisen kennen gelernt habe. Dabei handelt es sich um einen Kunststoffbeschlag, der in der Wanderreiter-Szene äußerst beliebt ist.

Erstmals in Kontakt mit dem Beschlag bin ich bei einem Appaloosa-Züchter, der ausschließlich diese „Eisen“ verwendet und seit einiger Zeit verwendet sie auch meine liebe Marita für ihren Criollo. Rubio hatte sehr kurze Hufe, wenig Trachten und kaum Wachstum. Da der Kunststoffbeschlag so flexibel ist, dass er die Hufmechanik zulässt im Gegensatz zu starren Stahleisen, ist das Hufwachstum besser angeregt und ein ungleichmäßiger Abrieb wird vermieden. Die Duplo-Beschläge haben im Kunststoff einen Eisenkern, der einerseits die Flexibilität des Eisens erlaubt, aber andererseits so viel Stabiltät gibt, dass das Eisen sich nicht in sich verdreht. Außerdem bietet der Eisenkern ein fester Ankerpunkt für die Hufnägel, die weiterhin notwendig sind. Der Halt am Huf wird zusätzlich durch kleine spitze Noppen (1mm Höe in etwa) verstärkt die sich an die Sohle krallen.
Die „Eisen“ sind außerdem geschlossen wie Eier-Eisen. Dadurch haben sie in sich nochmal mehr Stabilität und lassen sich außerdem schneller als orthopädische Eisen verwenden, die ja in der Regel erst geschmiedet werden müssen. Diesen Punkt fand ich übrigens sehr interessant, da meine alte Lady ja auch Eier-Eisen wegen ihrer kaputten Sehne hatte und ich irgendwann den Gedanken hatte, dass mehr Hufmechanik für ihr Sehnenproblem von Vorteil gewesen wäre. Damals kannte ich diese Beschlagart aber noch nicht. Allgemein und unabhängig von Sehnenproblemen wird durch den Steg der Sehnenapperat unterstützt, es birgt aber auch die Gefahr, dass ein „Eisen“ schneller abgetreten wird. Da der Kunststoff aber leicht nachgibt, ist der Hebel, der durch das Reintreten entstehen würde, weniger heftig und es würde weniger kaputt gehen, wenn überhaupt.
Wenngleich ich nicht vorhabe, Nevado im Winter auch zu beschlagen, bieten die Duplos eine integrierte Lippe ähnlich den Hufgrips, so dass das Aufstollen verhindert wird.

Gerade der Aspekt, das der Hufmechanismus erhalten bleibt, war für mich entscheidend, da ich ungern Nevados gute Hufe mechanisch „kaputt“ machen wollte.

Am Freitag war es dann soweit. Das Vorgehen bei Duplo-Eisen ist ähnlich wie beim Kaltbeschlag. Die Hufe werden also sehr korrekt geschnitten und plan gemacht (ein Vorgang, der durch das Aufbrennen von Eisen entfällt, da das Brennen den Huf plan macht). Anschließend wird das in der Größe passende „Eisen“ angelegt, markiert und entsprechend in Form „geschnitten“.
Dann werden die Eisen wie gewohnt aufgenagelt, was Nevado erstmal sehr komisch fand und meinte er müsse sich dieser Prozedur nach oben entziehen – der Schlingel. Bevor er das ein zweites Mal versuchen konnte, hab ich ihn mit Leckerli auf dem Boden der Tatsachen beschäftigt … Funktionieren doch alle gleich, die Ponies.
Nach dem ersten Aufnageln ging es ein paar Runden im Schritt auf harten Boden, damit sich die „Eisen“ setzen und die kleinen „Spikes“ greifen können. Zum Abschluss, wie bei normalen Beschlag auch, werden die Nägel gekappt, nochmal übergeraspelt und fertig ist der Duplo-Beschlag.

Die ersten Schritte waren für Nevado nicht anders als sonst. Die Duplos wiegen wesentlich weniger als ein Stahleisen und die Hufe werden etwas kürzer geschnitten, damit der Höhenunterschied nicht so enorm ist (wie bei herkömmlichen Eisen auch). Nevado ist so gleich auf der Koppel losgestürmt.
Am Folgetag sind wir ganz normal geritten und außer der Tatsache, dass Nevado seinen Motor gefunden hat, war kein Unterschied zu spüren. Gester ging es erstmals ins Gelände und wir konnten uns auf Untergründen flott bewegen, auf denen man barhuf aber auch mit Stahleisen weniger schnell unterwegs sein würde. Das liegt daran, dass die Eisen eine zusätzliche Dämpfung bieten und dazu noch griffiger sind als Stahleisen.

Die nächsten großen Ritte können also kommen und vielleicht sind wir ja demnächst konditionell auch für einen mehrtägigen Ritt fit … zum Beispiel Elsass oder so.

Pferdesteuer: Der Kampf geht weiter

Etwa 1000 Pferdefreunde nahmen an der Demonstration gegen die Pferdesteuer am vergangenen Freitag in Bad Sooden-Allendorf teil und trotzten der eisigen Kälte und strömenden Regen. Unmittelbar vor der Stadtverordnetenversammlung überreichte FN-Generalsekretär Soenke Lauterbach 50’000 gesammelte Unterschriften gegen die Pferdesteuer an Bürgermeister Frank Hix (CDU). Der war zwar beeindruckt, aber auch der Appell des Kommunalpolitikers Ulrich Heffner (FDP/Freie Wählergemeinschaft), der die Demonstration als „publizistischen Super-Gau für unsere Stadt“ bezeichnete, brachte nichts: Gegen 22 Uhr meldete der Nachrichtenticker des Aktionsbündnisses gegen die Pferdesteuer die Niederlage. Die Stadtverordnetenversammlung entschied sich relativ knapp für die Einführung der Steuer (16 Ja-Stimmen, 10 Nein-Stimmen, 5 Enthaltungen).

Diverse Funktionäre der verschiedenen Verbände wie FN, dem hessischen Landesverband aber auch dem hessischen Bund der Steuerzahler, kündigten weiteren Widerstand an. Zunächst wolle man Formfehler des Beschluss prüfen, um die Erhebung der Steuer weitestmöglichst hinauszuziehen und ggf. rechtliche Schritte einleiten. Nun, da die Steuer beschlossen ist, kann sie auch einer rechtlichen Prüfung unterzogen werden, da es nun ja auch ein tatsächliches Beschwer gibt. Das rechtliche Gutachten, welches im Juni durch die FN veröffentlicht wurde, hatte bisher nur den Charakter einer Empfehlung ohne Bindung.
Für die Betroffenen Pferdebesitzer dürften die zu treffenden Entscheidungen nun relativ einfach sein und wohl auf „Steuerflucht“ hinaus laufen. Dem Betrieb von Doris Stephan wird dies aber den Todesstoß versetzen. Ihr steht nicht nur die Schließung ihres Betriebes bevor, sondern anscheinend auch Verschuldung infolge zurückzuzahlender Vorschüsse für ihr Projekt.

Heute habe ich erstmals in einer großen Online-Tageszeitung über die Pferdesteuer gelesen: Die Welt berichtet noch relativ vorsichtig von der Debatte um die Pferdesteuer. Für mich liest sich der Artikel dennoch ein wenig so, als würde man ungläubig von einem Schildbürgerstreich berichten. Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man glatt über so wenig Weitsicht in BSA lachen.

Den Kopf in den Sand stecken und das Problem umgehen wären meiner Ansicht nach nun das Schlimmste was man tun kann: Es muss weiter AKTIV gehandelt werden.

Das Aktionsbündnis gegen die Pferdesteuer sowie die Sportverbände/-vereine auf Bundes-, Landes- und Regionalebene dürften allen Betroffenen problemlos zur Unterstützung zur Seite stehen.

Protest gegen die Einführung einer Pferdesteuer

Seit einigen Wochen formiert sich ein Widerstand gegen die Einführung einer Steuer, wie ich es bisher noch nicht beobachten konnte. Zwar hat das Thema noch nicht seinen Weg in die ganz großen Medien gefunden, aber das ist wohl nur noch eine Frage der Zeit. Seit die hessische Gemeinde Bad Sooden-Allendorf (BSA) die Einführung der Pferdesteuer beschlossen hat (der Satzungsentwurf soll am 14.12.2012 schlussgezeichnet werden), laufen Pferdefreunde deutschlandweit Sturm und das nicht zu Unrecht, wie ich finde.

Die Gemeinde BSA hat hessenweit nach eigenen Angaben die höchste Pro-Kopf-Verschuldung80 Millionen Euro Schulden verteilen sich auf 8400 Einwohner und ca. 150 Pferde. Diese 150 Pferde sollen im Rahmen des Sparprogramms der Gemeinde nun mit 200 Euro besteuert werden und der Gemeinde somit 30’000 Euro Einnahmen pro Jahr bringen. Sicher ein Tropfen auf den heißen Stein, aber irgendwo muss man ja mit dem Sparen anfangen, warum nicht bei den reichen Reitern?
So einfach ist es natürlich nicht, wenngleich die Argumente der Pro-Pferdesteuer-Seite auf den ersten Blick logisch klingen mögen.

Ausgleichende Gerechtigkeit – Hunde werden schließlich auch besteuert

Wenn Hunde besteuert, warum dann nicht auch Pferde? - Foto: N. Frank  / pixelio.de
Wenn Hunde besteuert, warum dann nicht auch Pferde? – Foto: N. Frank / pixelio.de

Eine Abwandlung, die ich neulich sah: Es wird ja nicht das Pferd besteuert, sondern die Haltung desselben. So liest sich auch der Satzungsentwurf von BSA, aber das ist Wortglauberei. Die Besteuerung von Hunden ist ein Relikt aus dem 18. Jahrhundert, als der Besitz eines Hundes, der nicht praktisch genutzt wurde (Jagd, etc.), als purer Luxus galt – das wurde früher aus Prinzip besteuert. Heute ist sie als Aufwandssteuer deklariert und steht keiner Gegenleistung der Gemeinde gegenüber wie etwa der Reinigung von Wegen. Sie wird aber auch gern als Lenkungssteuer bezeichnet, da sie durch ihre Ausgestaltung (jeder weitere Hund kostet mehr) durchaus dazu geeignet ist, den Hundebestand einer Gemeinde auf einem gewissen Niveau zu halten.
Diverse Gemeinden in Hessen wurden nun – anscheinend durch ein Handbuch zur Haushaltskonsilidierung der schwarz-gelben Landesregierung – angehalten zu prüfen, inwiefern eine Pferdesteuer als Aufwandssteuer eingeführt werden kann. Dies wäre gegenüber den Hundehaltern durchaus gerecht, wenn denn das Halten von Pferden nicht schon in diversen Variationen besteuert werden würde. Im Gegensatz zum Hund ist man als Pferdehalter stets auf Stallungen angewiesen, die unterhalten werden müssen. Als Selbstversorger müssen Stroh, Heu und Futter gekauft werden, welche natürlich mit einer Mehrwertsteuer belegt sind. Als Einsteller zahlt man Pensionskosten, welche seit 2006 dem erhöhten Mehrwertsteuersatz von 16%, 2007 dann 19% unterliegen, und in der Regel vollumfänglich auf den Einsteller umgelegt werden. Hinzu kommen natürlich Steuern, die bei Anschaffung vom Pferd selbst (seit 2012 übrigens auch 19% Mwst) bei gewerblichen Kauf anfallen sowie den vielen Ausrüstungsgegenständen, die man braucht. Nicht zu vergessen sind die Versicherungssteuern die bei Tierhalterhaftpflicht und ggf. OP-Versicherung anfallen. Das mögen unterm Strich Peanuts sein, stellen aber jetzt schon eine zusätzliche Belastung dar, die der Hundesteuer in etwa gleichkommt. Der Unterschied mag darin liegen, in welchen Topf die Steuer fließen.

Im Übrigen ist Deutschland eines der wenigen Länder, die Hundehaltung noch besteuert. Stattdessen Hundehalter nach einer Gleichberechtigung rufen derart, dass Pferdehalter auch zahlen, sollten sie doch andersrum und im Sinne des eigenen Geldbeutels argumentieren: Abschaffung der Hundesteuer! Ebenso irrsinnig halte ich die Forderung, die mancherorts durchgeklungen ist, doch gleich alle Haustiere mit einer Steuer zu belegen.

Pferde verdrecken die Straßen und beschädigen Wald und Flur

Das unbedachte Reiten über Felder kann Flurschäden verursachen. Brache Felder sind meist unkritisch. – Foto: Sabine Fischer / pixelio.deJa, da mag was dran sein, aber sind wir doch mal ehrlich: Was juckt es mein Auto, wenn Pferdeäpfel im Profil stecken. Viel mehr ärgert man sich doch über die kleinen, unscheinbaren Hundehaufen, die penetrant riechen und ewig im Schuh-Profil anhaften zu scheinen.
Wieder sachlich: Bei OpenPetition les ich das Argument, dass viele Gemeinde Reitwegenetze unterhalten, Reiter sich daran nicht halten und Waldwege beschädigen, was sehr teuer in der Reparatur wäre. Dies alles würde bereits von Steuergeldern gedeckelt. Das Anlegen und Unterhalten von Reitwegenetzen soll eigentlich mit den Einnahmen aus der Pferdeplakette erfolgen. Dafür zahlen (Aus-)Reiter jährlich einen Obulus und erhalten eine eindeutig identifizierbare Plakette. Flurschäden, die aus Unwissenheit, Dummheit oder Ignoranz – schwarze Schafe gibt es überall – entstehen, können darüber übrigens verfolgt und geahndet werden. Das setzt natürlich voraus, dass man den Übeltäter erwischt, aber das ist ja bei allen Ordnungswidrigkeiten so. Die Reitplakette ist somit eine sehr gezielt eingesetzte Einnahmequelle genau für diesen Zweck, womit dieses Argument bereits entkräftet wäre.

Wer sich ein Pferd leisten kann, wird ja wohl noch die paar Euro aufbringen können

Die Masse der Pferde sind keine Spitzenpferde zu Spitzenpreisen. - Foto: Thorben Wengert  / pixelio.de
Die Masse der Pferde sind keine Spitzenpferde zu Spitzenpreisen. – Foto: Thorben Wengert / pixelio.de

Das geht natürlich in die Richtung Luxussteuer, denn in vielen Köpfen scheint Pferdesport immernoch ein elitäres Vergnügen zu sein. Liest man Berichterstattungen über Pferdeauktionen mit Millionenerlösen oder – bestes Beispiel – den vermutlich 10 Millionen Euro teuren Totilas, mag das berechtigt sein, aber dies ist nun wirklich nur die Upper Class – dieses Klientel räuspert sich, lächelt und legt die Scheine auf den Tisch. Der Großteil der Pferde ist nun aber nicht Spitzensportler und verdient seinem Halter den Lebensunterhalt. Es ist ja auch nicht jeder Hobby-Läufer bei den Olympischen Spielen und das ist der entscheidende Punkt: Der Reitsport ist für die meisten Menschen ein Hobby und Turnierteilnahmen dienen dem persönlichen Ego oder dem sportlichen Vergleich, nicht aber dem Einkommen. Der Reitsport steht mittlerweile allen Schichten offen und das ist auch gut so, denn er fördert meiner Ansicht nach die soziale Kompetenz und ist nachgewiesener Weise gesund.
Demzufolge sparen sich viele Reiter ihr Hobby mühsam ab. Was andere für Urlaub oder teure Anschaffungen zurücklegen, investieren viele Reiter in ihr Hobby. Für diesen Ausgleich vom Alltag wird häufig knapp kalkuliert, mit Sicherheit auch manchmal zu knapp. Die Aussage „Wer sich gegen eine Pferdesteuer ausspricht, kann sich diese nicht leisten und somit auch nicht wirklich ein Pferd“ halte ich für hahnebüchen. Erstmal ist die Herleitung völlig unlogisch, denn nur weil ich mir eine Steuer „leisten“ kann, muss ich nicht dafür sein. Selbstverständlich sollte der eigene Geldbeutel nicht allzu knapp kalkuliert sein, so dass Sonderausgaben, die bei Pferden schnell mal sehr hoch werden können (Stichwort Tierarzt), unmöglich werden. Allein deswegen jemanden des Recht abzusprechen, Reitsport zu betreiben, finde ich unfair.
Es geht nicht darum, ob man sich eine Steuer leisten kann oder nicht, sondern die Sinnhaftigkeit!

Weitere Pro-Argumente …

Spitzensportler sind meist gesponsort und Berufsreiter. Sie wären von der Steuer befreit. - Foto: Paulwip  / pixelio.de
Spitzensportler sind meist gesponsort und Berufsreiter. Sie wären von der Steuer befreit. – Foto: Paulwip / pixelio.de

… sind eigentlich keine, sondern ähneln eher dem Gejammer im Kindergarten „Der hat mein Förmchen geklaut.“ Interessant ist, dass auf der Pro-Seite sehr oberflächlich argumentiert wird und wenig Hintergrundwissen herrscht. Da wird nach Kennzeichnungspflicht und Führerschein für’s Pferd gerufen. Alle Turnierreiter seien wohlhabend und auf jedem Pferd säßen „Doktortöchterchen“. Zur Kennzeichnungspflicht habe ich bereits etwas gesagt, zum Turnierreiten ebenfalls. Ergänzend dazu sei gesagt, dass Turnierreiter, die wirklich Geld mit Turnierstarts verdienen (die Spitzensportler eben), in der Regel Berufsreiter sind und nach dem Satzungsentwurf von BSA, der hier sicher beispielgebend ist, nicht steuerpflichtig wären, denn das Pferd wäre ja ihr Arbeitsmittel. Allgemein wären alle Pferde, die zu gewerblichen Zwecken gehalten werden, von der Steuer befreit und es träfe ausschließlich die Hobbysportler. Bezüglich des Führerscheins nur so viel: Den gibt es in gewisser Weise schon: der deutsche Reitpass, wenngleich er (noch) keine Bedeutung wie der Führerschein für Fahrzeuge hat. Der Besitz des Reitpass kann sich beispielsweise positiv oder negativ bei Unfällen auswirken. Wer nachweislich weiß, wie man zu Pferd eine Straße überquert, es dennoch falsch macht und somit einen Unfall verursacht, wird sicherlich im „Strafmaß“ anders behandelt wie jemand ohne das Wissen.
Dieser Punkt bezüglich der Straßensicherheit ist aber ein vollkommen anderes Thema, dass aus meiner Sicht aber ebenfalls in den Fokus gerückt werden sollte genauso wie die Schulung von Autofahrern, wenn es um Reiter im Straßenverkehr geht.

Contra: Die Pferdesteuer vernichtet Arbeitsplätze

Ein Beruf der abhängig vom Pferd ist: Hufschmied - Foto: Karl-Heinz Laube  / pixelio.de
Ein Beruf der abhängig vom Pferd ist: Hufschmied – Foto: Karl-Heinz Laube / pixelio.de

Das Argument ist sehr schlagkräftig, benötigt aber einer längeren Herleitung und greift erst bei einer flächendeckenden Besteuerung. Die Industrie um den Reitsport ist sehr umfangreich: Ausrüstung, Tierarzt, Versicherung, Hufschmied, Trainer, Pensionsställe, Heilpraktiker und und und. All diese Berufszweige verdienen pro Pferd, sichern Arbeits- und Ausbildungsplätze und haben Abhängigkeiten zu anderen Industriezweigen insbesondere der allgemeinen Landwirtschaft. Einzelne Existenzen fühlen sich bereits jetzt spürbar bedroht, wie ein Hof in der Gemeinde BSA: Erste Einsteller haben ihre Boxen gekündigt, um in einer steuerfreien Nachbargemeinde unterzukommen. Die Existenz dieses Hofes ist somit essentiell bedroht mit dem Nebeneffekt, dass der Gemeinde hier nicht nur die Steuereinnahmen der Pferde entgehen, sondern auch die Gewerbesteuer des Reitstalls, sollte dieser schließen müssen.
Diese „Steuerflucht“ ist für Hofbetreiber dramatisch, funktioniert für Pferdebesitzer aber nur solange, wie nur vereinzelte Gemeinden die Steuer erheben und Nachbargemeinden eben nicht. Bereits jetzt zeichnet sich trotz der Proteste aber ein Trend ab, sollte BSA die Steuer durchsetzen. Immer mehr Gemeinden entdecken die Idee für sich und sollte sich die Steuer flächendeckend durchsetzen, werden viele Pferdebesitzer ihr Hobby aufgeben müssen. Es sind immerhin Steuern an die 1000 Euro pro Jahr im Gespräch und Angleichungen zwischen den Gemeinden und Steuererhöhungen im Laufe der Zeit wäre absehbar. In der Folge würde immer weniger Dienstleister rund ums Pferd benötigt und nach und nach verschwinden Arbeitsplätze.

Der Reitsport wäre der erste besteuerte Sport in Deutschland

Therapiepferde sind von der Steuer ausgenommen, aber wann beginnt Therapie? - Foto: Martin Schemm  / pixelio.de
Therapiepferde sind von der Steuer ausgenommen, aber wann beginnt Therapie? – Foto: Martin Schemm / pixelio.de

Reiten ist Sport und wird von öffentlicher Hand gefördert. Reiten gehört außerdem zu den sechs Sportarten in Deutschland, die die harten Auflagen des Gesundheitssports erfüllen. Reiten wird zu therapeutischen Zwecken eingesetzt und erzielt erstaunliche Forschritte bei geistig und körperlich behinderten Menschen. Ein Großteil der aktiven Sportler sind Jugendliche.
Wird der Reitsport besteuert, würde all dies ad absurdum geführt werden oder spürbar eingeschränkt werden. Zwar wird beim Satzungsentwurf von BSA die Besteuerung von therapeutisch eingesetzten Pferden ausgeklammert, dennoch fragt man sich, wo die Grenze ist. Wann ist ein Pferd ein Therapiepferd? Ohne ausgebildetes Therapiepferd zu sein, kann der Kontakt am Koppelzaun schon Wunder bewirken. Außerdem werden die wenigstens Pferde ausschließlich als Therapiepferd eingesetzt, sondern ganz normal sportlich genutzt.
Am schlagkräftigsten dürfte hier jedoch ein Gutachten sein, welches die deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) bereits Anfang des Jahres in Auftrag gegeben hat, nachdem schon 2011 eine Welle der Empörung durch Deutschland ging. Das Ergebnis ist eindeutig: Eine Steuererhebung verstieße gegen so gut wie jede Landesverfassung, da u.a. die Besteuerung zur gemeindlichen Einnahmeerzielung die Ausübung einer anerkannten Sportart erschweren würde und somit der in den Landesverfassungen verankerten Sportförderung entgegenstünde.

Sollte die Steuer tatsächlich in BSA verabschiedet werden, dürfte der Gang vors Gericht sehr interessant werden. Ich hoffe nicht, dass es soweit kommt, sondern dass BSA sich besinnt und von der Pferdesteuer abrückt.

Heute, am 14.12.2012 um 18:30 Uhr findet in Bad Sooden-Allendorf eine offizielle Demonstration gegen die Einführung der Pferdesteuer statt. Angekündigt sind derzeit etwa 5000 Demonstranten. Jeder Reiter in Deutschland ist aufgerufen an dieser Demonstration teilzunehmen und ein eindeutiges Zeichen GEGEN die Pferdesteuer zu setzen.
Wenngleich ich selbst nicht daran teilnehmen kann, bitte ich alle Leser, die die Möglichkeit haben, diese auch zu nutzen. Aus Sicherheitsgründen sind keine Pferde erlaubt und bitte bleibt sachlich.

Wer nicht selbst gestaltet, wird gestaltet!

 

Diekscher Hof – Gesamtbild

Format Galerie

Acryl auf Leinwand, Umrahmung aus Hafer, ca. 50×40 cm, März bis November 2012

Zu sehen am 01./02. Dezember 2012 in der Vernissage „Bunter Advent“ im Jugend- und Bildungsdorf, Wendenstraße 4, 85283 Wolnzach.

Nepper, Schlepper, Bauernfänger: Pferd gratis!

Nein, ich bin nicht auf der Suche nach einem neuen Pferd! Aber eine Freundin hat sich nach einen Pferd umgesehen und ein recht gutes Angebot gefunden. Zum Verkauf stand eine 15-jährige Quarter-Horse-Stute, gut ausgebildet, inkl. Ausrüstung für knapp 5000 Euro. Das Pferd war auf diversen Plattformen inseriert u.a. bei eBay-Kleinanzeigen (s. Fotostrecke).

Kurz nachdem wir uns das Pferd angesehen hatten, fiel uns eine weitere Anzeige bei Local24.de auf. Der Text war der selbe, das Foto war anders, es gab keinen direkten Kontakt (keine Telefonnummer, nur Onlinekonktakt) und das Pferd war auf einmal gratis. So! Wenn ich nicht besagte Stute in echt und in Farbe inkl. Equidenpass (da war er wieder) mit Abzeichenbild in der Hand gehabt hätte, wäre ich stutzig geworden. So gingen bei mir direkt die Alarmglocken „Spam/Phishing“ an.

Zur „Sicherheit“ hab ich den Online-Kontakt gewagt und das Ergebnis war, dass ein Brite, der in Malaysia arbeitete und sein Pferd dort nicht halten könne, dieses nach Deutschland abgeben wolle für einen läppischen Unkostenbeitrag von 650 Euro, der den Transport von Malaysia nach Deutschland abdecken sollte. Um Vertrauen zu wecken, fragte der „Brite“ nach den bisherigen Reiterfahrungen und den Absichten:

Wo befinden Sie sich …..?
Bist du verheiratet mit Kindern …?
Sie verwendet, um Pferde ….?
Sie haben jedes Pferd ..?
Sie sind ein Erlebnis oder Anfänger ..?

Alles natürlich in gebrochenen Deutsch – der gute Mann stammt ja aus Groß-Britannien und will nur das Beste für sein Pferd, von dem er/sie/es mir noch drei Bilder geschickt hat, die mal gar nicht mit dem Braunen vom Anzeigenbild geschweige denn mit dem Fuchs (sorrel) aus der Anzeigenbeschreibung übereingestimmt hat.

Aus Spaß hab ich dann mal ein bisschen die Kleinanzeigen bei eBay und Local24.de durchstöbert und ohne, dass es mich groß verwundert, habe ich ich zahlreiche, gleichartige Anzeigen gefunden. Pferd XY wird für Z Euro verkauft und irgendwo anders oder an selber Stelle gratis verschenkt. Die Bilder, die mir zugeschickt wurden, finden sich dabei verdächtig oft in den kopierten Anzeigen wieder genauso wie ein und dasselbe Pferd zeitgleich an fünf Standorten in Deutschland zum Verkauf steht (vgl. Bildstrecke).

Nun fragt man sich automatisch, wer ist denn so bekloppt und zahlt 650 Euro an eine wildfremden Briten in Malaysia, ohne jemals das Pferd in natura gesehen zu haben und erwartet womöglich tatsächlich, dass besagtes Pferd irgendwann von der Spedition zugestellt wird. Anscheinend genug. Selbe Masche funktioniert ja auch bei „seltenen“ Gebrauchsgegenständen und nicht wenige Leute lassen sich auf jahrelange Hinhaltetaktiken ein, die ihnen sukzessive das Geld aus der Tasche ziehen.

Wer also eine Anzeige für ein Gratis-Pferd entdeckt, sollte aus Spaß mal den Anzeigentitel googlen und mit hoher Wahrscheinlichkeit findet sich eine Anzeige, für ein Pferd mit selber Beschreibung, mit einem gewissen Preis und vor allem greifbaren Kontaktdaten (Name, Handynummer). Spätestens bei einer Kontaktaufnahme wie meiner – also gebrochenes Deutsch, angeblicher Notfall/-stand, Schutz-/Transportgebühr – sollten die Alarmglocken laut schrillen. Wer sich darauf einlässt, sieht sein Geld nicht mehr wieder!

Solche Anzeigen fallen ganz klassisch unter „Phishing“ und dahinter verbergen sich betrügerische Absichten!

Umzug: Mit dem Pferd von München an den Niederrhein

Ich hatte in der Umzugsplanung bereits sehr früh für mich entschieden, dass ich Nevado mit Heidi’s Horse Taxi an den Niederrhein bringen werde. Da ich einerseits weder über den entsprechenden Führerschein noch einen eigenen Hänger oder Zugfahrzeug verfüge und andererseits für die gewaltige Strecke von 700km keine Freunde oder Bekannte in Beschlag nehmen wollte (immerhin ist das eine zweitägige Tour). Außerdem hat Heidi bereits meine alte Lady beim letzten Umzug transportiert und ich wusste, dass ich bei ihr in professionellen und sehr guten Händen bin. Ein Termin war recht schnell gefunden und so sollte es am 27.06. bei Fürstenfeldbruck losgehen.

Die Vorbereitung

Nevado wurde bis zu dieser großen Reise erst ein einziges Mal transportiert, nämlich von seinem Züchter zu mir – eine Strecke von Sage und Schreibe 30km – also sehr überschaubar. Es war die Vorhölle. Nevado hat versucht zu steigen, hat geschrien und gepoltert, so dass ich riskanterweise, die ganze Fahrt im Hänger war, um ihn zu beruhigen. Auf dem Land auf abgelegenen Straßen mag das gehen, aber nicht auf einer Tour, wie sie uns bevorstand.
Aus dem Grund wollte ich ursprünglich mit Nevado das Verladen und kleinere Fahrten üben, damit die große Tour nicht das große Ungewisse für ihn ist. Mein Hintergedanke war, dass er auf kleinen Fahrten merkt, dass Hängerfahren ein Ende hat und er schlussendlich wieder im sicheren Stall steht. Da Miriam als „meine Fahrerin“ wegen einer Sportverletzung für das Üben ausgefallen war und die Zeit dann doch schneller voranschritt als geahnt, haben Nevado und ich gar nicht geübt. Und das war auch gut so, aber zu den Überlegungen am Ende mehr.

Da Nevado natürlich noch sehr unausbalanciert ist, war die Gefahr groß, dass er beim Balancieren im Hänger sich selbst treten und verletzten könnte. Aus diesem Grund sollte Nevado definitiv Transportgamaschen tragen. Jetzt haben wir ja schon früh das Bandagieren geübt und das hat sich bezahlt gemacht. Drei Tage vor dem Transport, habe ich erstmals die Transportgamaschen angelegt. Diese Gamaschen sitzen natürlich ganz anders als Bandagen und gerade in der Bewegung berühren sie das Pferdebein an ungewöhnlichen Stellen und sind zudem auch wenig flexibel.
Die ersten Schritte war Nevado noch recht staksig unterwegs, aber recht schnell spazierte er über den Hof, als wäre gar nichts. Eine kleine, unkomplizierte Übung, die sich beim Transport selbst definitiv bezahlt gemacht hat.

Sedieren oder nicht sedieren?

Wie gesagt, war Nedaao bei seinem ersten Transport äußert nervös und brachte das Hängergespann arg ins Wanken. Aus dem Grund warf Miriam die Idee ein, den kleinen für den Transport zu sedieren. Ich habe auch ernsthaft darüber nachgedacht, mich dann aber aus einem einfachen Grund dagegen entschieden, den mir die Westerntrainerin Trixi Daser nahe gebracht hat. Nevado würde alle seine Sinne brauchen sich selbst auszubalancieren. Ihn zu sedieren könnte im schlimmsten Fall dazu führen, dass er bsp. in einer Kurve das Gleichgewicht verliert und dann zu wenig Reaktionsvermögen hat, sich auf den Beinen zu halten.

Während der Fahrt hat Heidi an Stelle von Sedierung das Mittel Vetranquil vorgeschlagen. Vetranquil ist ein Beruhigungsmittel der Art, dass es angstlösend wirkt und die Spannung vom Tier nimmt, so dass es in sich gelassener ist, aber nach wie vor Herr seiner Sinne und 4 Beine bleibt – ich weiß nicht ob, ob man das als Psychopharmaka bezeichnen kann, aber es macht den Eindruck.
Wie Vetranquil bei Pferden dosiert wird und wie es sich im schlimmsten Fall auswirkt, weiß ich ebenfalls nicht, aber nachdem ich zwei Tage später meine beiden Kater damit versorgt hatte, bin ich eher skeptisch, denn Spocky war nicht mehr in der Lage sich auf den Beinen zu halten, weil er im Verhältnis zur Körpermasse minimal mehr von dem Medikament bekommen hatte als Pille (das dicke Ding). So eine Miezekatze tut sich natürlich nichts, wenn sie umkippt. Beim Pferd möchte ich das nicht erleben.

Die Fahrt

Am 27.06. ging es also los – ausgerechnet Siebenschläfer und einer der bisher heißesten Tage des Jahres in Deutschland. Das Verladen von Nevado verlief einwandfrei, wie man bei YouTube sehen kann. Er kletterte umgehend auf die Rampe, schaute sich kurz um und war wenige Sekunden vollständig im Hänger. Das Üben, dass ich mit ihm eigentlich vor hatte, hätte übrigens kontraproduktiv sein können, wenn er einen Fehltritt und damit negative Erfahrung gehabt hätte (was ja nicht so unwahrscheinlich ist). In dem Fall, wäre er womöglich nicht so gelassen auf den Hänger gegangen und hätte mehr Stress gehabt.

Auf der ca. 20 minütigen Strecke zur Autobahn war er natürlich reichlich mit seinem Gleichgewicht beschäftigt, aber er war schon wesentlich ruhiger als bei dem ersten Transport. Auch ein gutes Zeichen dafür, dass die Arbeit an seinem Gleichgewicht Früchte trägt. Ab der Autobahn stand Nevado absolut still und meldete sich nur zu Wort, wenn wir langsamer wurden. Vermutlich nahm er an, wir sind am Ziel, aber das dauerte.
An der Raststätte Hardtwald an der A5 haben wir eine kurze Mittagspause gemacht und ich bekam einen mittleren Schock. Nevado war von den Nüstern bis zur Schulter mit kleinen Beulen übersäht, als hätte er Millionen Mückenstiche eng an eng. Er war aber nach wie vor munter und hatte einen klaren Blick, gefressen hat er auch ohne Probleme. Außer Beobachten blieb uns in diesem Moment aber nichts, zumal er glücklicherweise nicht den Eindruck machte, gleich zusammenzubrechen. Ich vermute, dass dies eine Stressreaktion auf die Situation war gepaart mit den enormen Temperaturen, die im Hänger natürlich noch drückender waren. Dazu sei kurz gesagt, dass der Hänger natürlich leicht geöffnete Fenster für Frischluft hat, aber eben kein Durchzug. Auch hatten wir das rückwärtige Fenster größtenteils geschlossen, da wir befürchteten, dass Nevado als junges Pferd panisch auf von Hinten herannahende Lkw reagieren könnte.

Nach einer gefühlten Ewigkeit kamen wir aber im neuen Stall an, die Stresspusteln waren auch weg und Nevado hat sich mit lautem Wiehern erstmal in Szene gesetzt.

Der neue Stall

Nevado hat umgehend seine neue riesige Box bezogen, aus der er nun direkten Ausblick auf den Hof, den Reitplatz und einen Teil der Koppeln hat. Er bekommt somit unheimlich viel mit von dem, was auf den Hof passiert. In den ersten Tagen war das für ihn als Hengst sehr stressig. Er ist in er Box piaffiert, ist gestiegen, hat geschrien und hat sich von seiner schlechtesten Seite gezeigt. Er hat sich einige unschöne, aber nicht dramatische Kratzer zugezogen, aber in der Summe wurde er Tag für Tag entspannter, so dass er mittlerweile (nach knapp drei Wochen) das Hofgeschehen interessiert beobachtet statt den Aufstand zu proben.

Die erste Kontaktaufnahme zwischen Nevado und Truco

 

Wenn er sich weiter so gut benimmt, kommt er vielleicht bald gleichzeitig mit den Wallachen auf einer separate Koppel, was natürlich ideal wäre. Aber auch so hat er meines Erachtens schon ein sehr gutes Hengst-Los gezogen, denn viele Hengste haben ja leider das Pech in absoluter Isolation zu leben, wo sie einfach nichts mitbekommen und Pferde maximal aus weiter Entfernung sehen. Nevado sieht alles und hat einen Boxennachbarn, mit dem er zumindest näseln kann.
Zur Zeit machen wir Nevado mit dem 4-jährigen Andalusier-Wallach Truco bekannt, in der Hoffnung, dass dies die ersten Schritte hin zum parallen wenn nicht sogar zum gemeinsamen Koppelgang sind.

PS: Equidenpass

Wie Bonita ihrerzeit auch, hat Nevado keinen Equidenpass. Zum Zeitpunkt des Transports hatte ich zwar schon den Transponderchip der FN, der war aber noch nicht eingesetzt und so verfügte Nevado nur über einen Impfpass. Irgendwo in Deutschland habe ich Heidi gefragt, ob sie wüsste, wie hoch das Bußgeld für einen fehlenden Equidenpass ist, da das eine Frage ist, mit der schon viele Besucher auf diesem Blog gelandet sind. Heidi hat mich erstmal etwas entsetzt angeschaut: „Wie? Der hat keinen Pass?“ Aber da waren wir schon näher am Ziel als am Start.
Heidi wusst natürlich Antwort. Und zwar kostet der Spaß ungefähr 200 Euro Ordnungsgeld! Der Betrag ist soweit ich weiß nicht einheitlich in Deutschland, da er wohl von den Veterinärämtern festgelegt wird und somit Ländersache ist. Aber ich denke, das wird sich alles nicht viel nehmen.

 

Ich lebe noch …

Seit dem letzten Blogpost ist ja schon etwas Zeit ins Land gegangen, was daran lag, dass ich ja umgezogen bin. Der Umzug von Pferd, Katzen und mir ist sehr gut gelaufen. In den nächsten Tagen will ich zum Transport von Pferd und Katzen noch einen kleinen Erfahrungsbericht (oder zwei) schreiben, da ich denke, dass das für den ein oder anderen hilfreich ist. Ich hatte viele, teils widersprüchliche Tipps – ein paar hab ich befolgt, andere nicht.

Mittlerweile hab ich mich und meine drei Jungs sich aber recht gut eingelebt, so dass ich glaube, dass die Herangehensweise an den Umzug richtig war. Aber dazu die Tage mehr.

Die elektronische Kennzeichung von Tieren

Nachdem Spocky ja zwei Wochen verschwunden war, habe ich mich entschlossen, beide StarTrekKater mit einem Transponder versehen zu lassen. Damit wird die Suche zwar nicht leichter und schneller, aber dank der eindeutigen Nummer, ist es einfacher die Katzen zu identifizieren, wenn sie im Tierheim oder beim Tierarzt abgegeben werden sollten. Man kann die Transponder-Nummern zusätzlich kostenlos bei Tasso e.V. registrieren lassen, was dank deren gutem Netzwerk die Suchaktion wesentlich vereinfacht (gilt auch für Hunde und anderes Kleingetier).

Da war ich also am Mittwoch beim Tierarzt: Pille hat ein Pfund zugelegt und Spockys abgebrochener Zahn sollte keine Probleme bereiten. Als die Tierärztin dann die Einmalinjektoren für die Mikrochips auspackte, guckte ich nicht schlecht. Ratet mal, worin sich die Tranpsonder für die Katzen und der Transponder für Bonita ihrer Zeit unterscheiden? Na? *trommelwirbel* … in NICHTS!
Es handelt sich bei Hund, Katz und Pferd stets um Transponder der Sorte „BackHome BioTec“ der Firma Virbac.

Wirklich vom Hocker hauen tut mich das nicht. Denn was soll einen Mikrochip für die Katze von dem für ein Pferd unterscheiden? Hauptsache er gibt ein eindeutiges Identifikationsmerkmal zurück.
Was mir aufstößt, ist der bürokratische Firlefanz, den die FN um diese Transponder betreibt. Während Tierärzte für Kleintiere die Transponder auf Vorrat lagern, können Tierärzte für Pferde dies nicht. Nicht weil sie diese Chips nicht bekommen (die kann man nämlich u.a in speziellen Webshops bestellen), sondern weil sie sie aufgrund der Antragspolitik der FN nicht loswerden würden. Die Beschaffung der Transponder ist ja an den Pferdebesitzer gebunden, der damit automatisch das Antragsformular für den Equidenpass beantragt (Antrag für den Antrag).
Mein Tierarzt (fürs Pferd) erzählte mir auch, dass sie früher diesselben Transponder auf Vorrat hatten, als das Chippen der Pferde noch nicht Pflicht war, und wer einen wollte, hat ihn bekommen und alles lief schnell und unkompliziert (auch die Beantragung von Equidenpass).

Und jetzt wird allein um den Transponder so ein Aufwand betrieben und ich frag mich ernsthaft, welchen Sinn es hat, dass die FN registriert, wer wann welchen Chip für welches Pferd beantragt hat und warum auch die Betriebsnummer und damit der Standort vom Pferd erfasst wird. Diese Datensammlung erscheint mir übertrieben zumal man damit private Halter, die der Equidenpass nicht interessiert, auch nicht erfassen kann. Und ich denke, es gibt noch genug Tierärzte oder auch den Metzger vom Land die an der Vorschrift vorbei Pferde ohne Pass impfen bzw. schlachten. Dass derjenige damit seine „Lizenz“ riskiert, steht auf einem anderen Blatt.

Ich freue mich schon darauf, das Equidenpass-Rad wieder neu anzustoßen, denn wenn ich Nevado kaufen sollte, geht alles von vorne los, was ich bei Bonita schon durch hatte – fast: den Equidenpass hab ich wg. der fehlerhaften Tierarzt-Registriernummer nämlich immer noch nicht, aber jetzt eilt das ja auch nicht mehr.

Schwere Entscheidung

Bonita auf der Koppel im April 2011Ich habe ja bereits letzte Woche via Twitter angedeutet, dass ich eine schwere Entscheidung treffen musste. Ich habe mir bis jetzt damit Zeit gelassen, mehr darüber zu erzählen, da ich erstmal alles geklärt haben wollte.

Ich habe mich nämlich schweren Herzens entschlossen, meine kleine Bonita wieder an ihren Vorbesitzer zurückzugeben.

Dass Bonita einen Reheschub hatte, habe ich ja schonmal geschrieben. Nach diesem Schub hat sich Bonita recht gut erholt und hat weiter fleißig mitgearbeitet. Allerdings hat sie ihren steifen und kurzen Gang nicht abgelegt, was ich ursprünglich damit verbunden hatte, dass sie früher wenig bewegt wurde und halt diese Probleme mit der Rehe hatte. Darüber hinaus ging Bonita immer fühliger und mochte sich auf harten und vor allem abschüssigen Böden kaum noch bewegen, so dass ich die Hufrolle im Verdacht hatte.
So falsch war der Verdacht nicht. Die Röntgenaufnahmen, die der Tierarzt gemacht hat, haben zunächst erfreulicherweise gezeigt, dass die Rehe keine Spuren hinterlassen hat (also keine Hufbeinrotation). Was sie gezeigt haben, ist, dass Bonita auf beiden Vorderhufen Strahlbeinfrakturen hat und diese Frakturen wahrscheinlich schon im Jungpferde-Alter aufgetreten sind. Das Ganze ist eine recht seltene Angelegenheit und mein Tierarzt hat auch nochmal den Klinikchef Dr. Brems konsultiert, aber die Bilder sprechen halt eine eindeutige Sprache.

Dass das Problem erst jetzt zu Tage tritt, liegt warhscheinlich daran, dass Bonita erst jetzt regelmäßig (fast täglich) gearbeitet wurde und der Bänder- und Sehnenapperat in Bewegung gekommen ist. An Vorbesitzer oder Tierarzt (bzgl. Ankaufsuntersuchung) kann man also keine Vorwürfe machen.

Jetzt hab ich versucht, mich im Internet über Therapie und Erfolgschancen zu informieren und das Bild ist recht durchwachsen. Viele betroffene Pferdebesitzer sprechen von guten Ergebnissen, aber meist nur, wenn der Bruch frühzeitig diagnostiziert wird. Bei Bonita sind die Frakturen allerdings schon sehr alt und da wächst nichts mehr zusammen. Dann besteht natürlich die Gefahr, dass sich die Sehnen an der Bruchstelle aufreiben, denn das Strahlbein ist ja wie eine Umlenkrolle für den Sehnenapperat dort (Hufrolle eben). Inwiefern die Sehnen schon geschädigt sind, lässt sich am Röntgenbild natürlich nicht erkennen.
Ich habe natürlich auch meinen Hufschmied kontaktiert und der meinte schlicht, das habe er in seinen 25 Jahren Berufserfahrung noch nicht in dieser Ausprägung gesehen. Man könne zwar mit Spezialbeschlägen versuchen, die Fesselstellung zu korrigieren und den Ballen zu entlasten, aber er führte dann auch direkt das Problem der Sehnen an, dass, wenn nicht gleich, aber dann im Laufe der Jahre kommen könnte.

Da ich mit Bonita natürlich arbeiten und ausreiten will, ist dies ein ziemlicher Unsicherheitsfaktor, weshalb ich mich zu der Entscheidung durchgerungen habe.

Bonita steht nun seit 2 Tagen wieder in ihrem alten Stall und wird dort voraussichtlich in der Zucht eingesetzt, sobald ihre Hufe das zulassen. Ich denke, dass ist für Bonita auch die beste Lösung und die Fohlen, die sie mal haben wird, werden sicherlich wunderschöne und intelligente Tiere.