26 Sep |
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Deklariert man das Tier als Schlachtpferd, ist die Medikation eingeschränkt. Ein Nicht-Schlachtpferd kann dagegen mit Medikamenten versorgt werden, die andernfalls nicht zur Verfügung stehen. Diese Regelung ist darin begründet ist, dass Pferde in der EU als Lebenmitteltier gelten und geschlachtete Pferde in der Regel in den Lebensmittelkreislauf gehen. Das heißt nicht, dass Nicht-Schlachtpferde nicht geschlachtet werden dürfen (klingt paradox), sie dürfen anschließend nur nicht als Lebensmittel verwertet werden. Aus diesem Grund dürfen Schlachter Pferde auch nur mit Equidenpass annehmen, zumal darin auch die "zusätzlichen" Medikamente verzeichnet werden. Für mich war die Entscheidung bisher immer klar gewesen, weshalb ich sowohl Lady als auch Bonita als Nicht-Schlachtpferd eingetragen hatte. Ich hab überhaupt kein Problem damit, wenn Pferde zur Lebensmittelgewinnung geschlachtet werden. Wenn jemand gern Pferdefleisch ist, dann ist das so. Ich mag es nicht, aber deswegen würde ich nie jemanden verurteilen. Der eine mag halt Sushi, der andere Pferdefleisch, wieder andere mögen kein Hühnchen - Geschmackssache. Mich kann man auch nicht schocken mit solch Sprüchen wie "Dann kommt das Pferd in die Wurst." Aber zurück zum Thema. Bei Nevado habe ich mich anders entschieden. Nicht weil ich keine Bindung zu meinem Pferd hätte - das wäre eine glatte Lüge - sondern aufgrund einiger interessanter Gespräche, die ich zwischenzeitlich zu dem Thema hatte. Zum Einen wäre da der finanzielle Aspekt. Das Einschläfern eines Pferde - oder Euthanasie eines Equiden, wie es nüchtern auf der Rechnung steht - kostet ca. 200 Euro. Hinzu kommen die Kosten für die Entsorgung, der Abdecker, die sehr unterschiedlich und abhängig davon sind, ob man in die Seuchenkasse einzahlt oder nicht. Da Pferdehalter in der Regel in die Seuchenkasse einzahlen, von der sie ja auch die Betriebsnummer bekommen (siehe hier), sollten die Abdeckerkosten in der Regel gering sein (ich hab damals 20 Euro oder so gezahlt, da Lady ja in einem Pensionsstall (= Pferdehalter) stand, der selbstverständlich bei der Seuchenkasse registriert ist). Der andere Aspekt, der für meine Entscheidung viel bedeutender war, ist folgender: Was passiert mit dem eingeschläferten Pferd?Ein eingeschläfertes Pferd liegt zunächst tot auf der Wiese oder wo auch immer die Spritze gesetzt wurde, bis der Abdecker kommt. Da der Abdecker nicht extra für ein einzelnes Tier kommt, sondern Touren fährt bis - so fies es klingt - der LKW voll ist, kann es schonmal passieren, dass das Pferd einige Tage tot auf der Wiese liegt. Etwaige Verwesungsprozesse, Fliegenbefall, etc. kann sich jeder selbst ausmalen, der Simon Beckett o.ä. gelesen hat. Das Pferd geht in die Tierkörperverwertung. Kurz zusammengefasst, wird den Tieren das Fell (= Decke, daher Abdecker) abgezogen, anschließend wird das Tier klein gehäckselt. Der Fleischbrei wird entfettet, getrocknet und gemahlen - das sogenannte Tiermehl ist entstanden, welches als Mastfutter weiterverwendet wird oder aber auch in Kohlekraftwerken der Kohle zur Verbrennung beigemischt wird. Das extrahierte Fett wird in der chemischen Industrie verwendet, beispielsweise zur Herstellung von Schmierfetten oder bei Biodiesel. Also hab ich diesmal das Kreuz bei "Schlachtpferd" gesetzt. Dann kam die FN. Mein Pferd ist nun doch ein Nicht-Schlachtpferd.
Schuld sind wieder die EU-Richtlinien und die FAQ des bayrischen Zuchtverbandes fasst es recht gut zusammen (zwar gemünzt auf den Zuchtverband, aber analog gültig für die FN und alle anderen Zuchtverbände): Alle Equiden für die nicht bis zum 31.12. ihres Geburtsjahres oder spätestens ein halbes Jahr nach ihrer Geburt, je nachdem, welche Frist später abläuft, der Equidenpass beantragt wurde, sind nach der neuen Viehverkehrsordnung ausnahmslos als "Nichtschlachtpferde" zu kennzeichnen. Diese Equiden erhalten entweder einen grünen Ersatzpass (Freizeittiere) oder einen roten Duplikatpass (Zuchttiere mit Abstammungsnachweis), in denen bereits der Status "Nichtschlachtpferd" im Arzneimittelanhang vom Landesverband Bayerischer Pferdezüchter e.V. dokumentiert wurde. Und da Nevado mit 3 Jahren und 8 Monaten so oder so außerhalb der Frist liegt, ist er notgedrungen ein "Nicht-Schlachtpferd". Dennoch bin ich froh, mir diese Gedanken gemacht und Gespräche dazu geführt zu haben, denn mein Blickwinkel hat sich dadurch wesentlich geändert. Exkurs: Jemanden rund machen.Ein Pferd rund reiten heißt, dass es durchlässig ist und somit an den Hilfen steht. Es macht also möglichst genau das, was der Reiter ihm signalisiert. Die Aufforderung, das Pferd rund zu reiten, heißt also, es durchlässig zu machen, was grundsätzliches nichts Negatives ist. Die Art und Weise ein Pferd rund zu reiten macht es positiv (mühsame Arbeit) oder negativ (bsp. Rollkur). Tags: |

Kommentare
Gruß
Christian
Grüße Maria
PS: Der Pass war für Nevado. Bonita habe ich im April leider zurückgeben müssen, da sie Hufrolle hatte.
Ich habe dann gerade mal nachgelesen, was Bonita angeht.Bin jetzt wieder auf dem aktuellen Stand. Aber das war wohl ne blöde Sache.
Gruß
Christian
Aber mit Nevado passt es einfach wunderbar - wer weiß, wozu das alles gut war ;)
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